Strafrechtliche Verfahren zur Aufklärung von NS-Euthanasie im Rahmen der österreichischen Volksgerichtsbarkeit

Projekt

 

Beschreibung

Der Sammelbegriff „Euthanasieprozesse“ beschreibt die gerichtliche Auseinandersetzung mit den NS-Euthanasie-Programmen. Diese erfolgten in Österreich zuerst im Rahmen der so genannten Volksgerichtsbarkeit zwischen 1945 und 1955. In Anbetracht des Exzesses in Heil- und Pflegeanstalten, der im Namen der Volksgemeinschaft mit systematischer Präzision betrieben wurde, haben die damaligen Verfahren zu verhältnismäßig wenigen Verurteilten geführt. Eine eingehende strafrechtswissenschaftliche Untersuchung der volksgerichtlichen Verfahren kann zur historischen Beschäftigung mit den NS-Euthanasie-Programmen in Österreich einen wertvollen Beitrag leisten. Das Ziel ist es, die rechtlichen Entscheidungsgrundlagen zu untersuchen, um Rückschlüsse auf die Aufarbeitung in den ersten Jahren nach Kriegsende ziehen zu können. Die Volksgerichtsbarkeit ist deshalb von besonderem Interesse, weil viele ZeugInnen vernommen wurden, deren Aussagen zum Teil schriftlich protokolliert wurden, und auch die Begründungen für unterschiedliche Verfahrensentscheidungen aussagekräftige Zeitdokumente sind. In diesem Zusammenhang wurde an der Johannes Kepler Universität (JKU) ein Diplomarbeitsprojekt gestartet, an dem sechs Studierende teilnehmen. Das Projekt ist Teil des Forschungsschwerpunkt Procedural Justice der Rechtswissenschaftlichen Fakultät. Beginnend mit dem Sommersemester 2021 untersuchen die teilnehmenden Studierenden die prozessuale Rechtsgrundlage für die volksgerichtlichen Verfahren, die Aufgaben und den Einflussbereich unterschiedlicher Entscheidungsträger im Verfahren. Ein wesentlicher Aspekt ist dabei der Bezug zu den Gerichtsakten, die den realen Verlauf von Ermittlungs- und Hauptverfahren widerspiegeln. Der Fokus liegt dabei auf der justiziellen Bearbeitung des Tatkomplexes rund um die Heil- und Pflegeanstalt Hartheim und die Klinik Niedernhart unter der Leitung von Prim. Rudolf Lonauer.

AntragstellerInnen

Johannes Kepler Universität Linz - Abteilung für Grundlagen und Wirtschaftsstrafrecht

Website

Standort

Beschluss

20.12.2021

Kategorie

Buch

Schwerpunkt

Gedenken / Erinnern

Fördermittel

Nationalfonds-Budget

Hinweis

Inhalt und Beschreibung der Projekte basieren grundsätzlich auf Angaben der jeweiligen AntragstellerInnen. Diese werden vom Nationalfonds für die Veröffentlichung auf der Website redigiert und anschließend ins Englische übersetzt. Trotz sorgfältiger Prüfung kann keine Garantie für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Daten übernommen werden.