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Abschied von Dr. Erich Kussbach

17.07.2026

Mit großer Trauer mussten wir erfahren, dass Botschafter Hon.-Prof. Dr.Dr.h.c. Erich Kussbach, LL.M. (Yale), von 2001 bis 2021 Mitglied der Schiedsinstanz für Naturalrestitution, am 10. Juli 2026 im Alter von 95 Jahren verstorben ist.

Botschafter Erich Kussbach in den Räumlichkeiten des Nationalfonds im September 2022
Nationalfonds/Tomo Grabovac

Erich Kussbachs Leben war von den Ereignissen des 20. Jahrhunderts geprägt. Sein Vater, Rechtsanwalt Dr. Franz Kussbach, verhalf während der deutschen Besetzung Ungarns zahlreichen jüdischen Berufskollegen und Freunden zur Flucht und überlebte das KZ Dachau und einen „Todesmarsch“ gegen Ende des Krieges nur knapp. Erich Kussbach selbst flüchtete im Zuge des ungarischen Volksaufstandes 1956 auf bemerkenswerte Weise vor den sowjetischen Besatzern, als er sich kurz entschlossen einer Sanitätergruppe anschloss, die einen Krankentransportflug nach Österreich begleitete.

1963 trat er in den österreichischen diplomatischen Dienst ein, der ihn unter anderem nach Bern, New York, Westberlin und Straßburg führte. Dass er seine diplomatische Laufbahn als Botschafter in Ungarn abschließen durfte, war für ihn aufgrund seiner persönlichen Geschichte und Verbundenheit mit diesem Land eine besondere Herzensangelegenheit. Darüber hinaus war Erich Kussbach Honorarprofessor für Humanitäres Völkerrecht der Universität Linz und Professor für Völkerrecht an der Katholischen Pázmány Péter Universität Budapest.

Von 2001 bis 2021 gehörte Kussbach der beim Allgemeinen Entschädigungsfonds eingerichteten Schiedsinstanz für Naturalrestitution an, die Anträge auf Rückstellung von während des Nationalsozialismus entzogenem Vermögen prüfte. Diese verantwortungsvolle Aufgabe übte er zwei Jahrzehnte lang ehrenamtlich aus, bis die Schiedsinstanz nach Erfüllung ihrer Aufgaben 2021 aufgelöst wurde.

Für den Vorsitzenden der Schiedsinstanz, em. o.Univ.-Prof. Dr. Josef Aicher, war Botschafter Kussbach die perfekte Besetzung für diese herausfordernde Funktion: „Nicht nur seine jahrzehntelang beruflich gepflegte Fähigkeit zum Konsens als Diplomat, sondern auch seine Sachkunde als Rechtswissenschaftler und sein Streben nach gerechten Lösungen waren von unschätzbarem Wert und haben unsere Tätigkeit entscheidend geprägt.“

Univ.-Prof. MMag. Dr. August Reinisch, LL.M., das dritte Mitglied der Schiedsinstanz, erinnert sich mit großer Dankbarkeit an die Jahre des kollegialen Zusammenwirkens mit Erich Kussbach und an die wertvollen Impulse, die er aus dessen Erfahrung und Wissen gewinnen konnte: „Er führte ein erfülltes Leben. Über die vielen Jahre unserer Zusammenarbeit durfte ich viel von ihm lernen.“

Die vielfältigen Verdienste von Botschafter Kussbach fanden im Laufe seines Lebens hohe Anerkennung. Zuletzt wurde ihm im Dezember 2025 im Wiener Rathaus das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien verliehen – als Ausdruck des Dankes und der Wertschätzung für seinen außerordentlichen Einsatz für die Opfer des Nationalsozialismus.

Im Nationalfonds, bei dem Entschädigungsfonds und Schiedsinstanz eingerichtet waren, und im Kreis der ehemaligen Mitarbeiter:innen wurde die Nachricht vom Ableben Botschafter Kussbachs mit tiefer Betroffenheit aufgenommen. Die Zusammenarbeit mit ihm war stets von großer gegenseitiger Wertschätzung geprägt und wird zusammen mit seiner Herzlichkeit, seinem Humor und seinem Engagement in besonderer Erinnerung bleiben.

Die Vorständin des Nationalfonds, Mag. Judith Pfeffer, MA, würdigte Botschafter Kussbach als einen über viele Jahre geschätzten und wichtigen Wegbegleiter des Fonds und der Mitarbeiter:innen der Schiedsinstanz: „Ich bin dankbar, dass ihm im vergangenen Jahr noch die Verleihung des Goldenes Ehrenzeichens des Landes Wien ermöglicht werden konnte – ein Zeichen hoher Anerkennung für sein langjähriges Wirken und seinen Beitrag zur Aufarbeitung der NS-Zeit in Österreich.“

Prof. Mag.a Hannah M. Lessing, Vorständin des Nationalfonds und langjährige Generalsekretärin des Entschädigungsfonds, erinnert sich an Botschafter Kussbach als herausragenden Juristen und außergewöhnlichen Menschen: „Die Zusammenarbeit mit ihm war für mich eine große Bereicherung. Sein fachliches Wirken ging mit hoher Integrität, starkem Sinn für Gerechtigkeit und mit großer menschlicher Wärme einher. Unser tief empfundenes Mitgefühl gilt seiner Frau Waltraud und seiner Familie. Wir werden Botschafter Kussbach in dankbarer Erinnerung behalten. Möge die Erinnerung an ihn immer ein Segen sein.“

Weiterführende Informationen

Lebensgeschichtliches Video-Interview mit Botschafter Kussbach

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aktualisiert: 17.07.2026 - Version: 1.4.6