Ein Ort der Begegnung im Hohen Haus: Das „Café Centropa“ zu Gast im Parlament
Gestern fand auf Einladung von Nationalratspräsident Peter Haubner ein besonderes Treffen im Parlament statt: Das Café Centropa – Jüdischer Seniorenclub, langjähriger Begegnungsort für Holocaust-Überlebende, kam zu einem Austausch im Hohen Haus zusammen. Da aufgrund von Renovierungsarbeiten im Wiener Stadttempel derzeit keine eigenen Räumlichkeiten zur Verfügung stehen, bot das Parlament den festlichen Rahmen für dieses monatliche Treffen.
Dialog und gelebte Gedenkkultur
An der Begegnung nahmen auch die beiden Vorständinnen des Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus, Hannah Lessing und Judith Pfeffer, teil. Den Nationalfonds verbindet eine langjährige Partnerschaft mit dem Projekt, das er seit vielen Jahren fördert und unterstützt.
Der persönliche Austausch und die Weitergabe von Erinnerungen an jüngere Generationen standen im Mittelpunkt des Nachmittags. Nationalratspräsident Haubner betonte die Bedeutung dieser Initiative für das demokratische Gefüge:
„Erinnerung ist ein Auftrag an unsere Gegenwart und Zukunft. Sie prägt unser demokratisches Selbstverständnis maßgeblich und fordert uns auf, wachsam zu bleiben. Initiativen wie Café Centropa leisten einen wichtigen Beitrag dazu, das Parlament als Ort lebendiger Gedenkkultur zu stärken und jüdisches Leben sichtbar zu machen.“
Hintergrund: Ein familiärer Halt seit 2006
Das „Café Centropa“ wurde im Juli 2006 vom Verein Centropa unter der Leitung von Tanja Eckstein ins Leben gerufen. Seither kommen einmal im Monat Holocaust-Überlebende zusammen – Treffen, die für die Seniorinnen und Senioren, die heute meist Mitte bis Ende 80 oder älter sind, längst unverzichtbar geworden sind.
Über die Jahre hat das Café einen fast familiären Charakter angenommen. Es ist ein Ort, an dem man sich unterhält, Zuwendung erfährt und die jüdischen Feiertage wie Pessach, Rosch Haschana und Chanukka gemeinsam feiert – für viele die einzige Gelegenheit, diese Feste in Gemeinschaft zu begehen. Neben den monatlichen Treffen sind auch ständige Telefonate und Besuche wesentliche Bestandteile der Betreuung, um den Mitgliedern im Alltag beizustehen.
Die nächste Generation führt das Erbe fort
Ein wichtiger Aspekt der Arbeit des Café Centropa ist zudem die Einbindung der Nachkommen. Viele Kinder von Überlebenden nehmen mittlerweile an den Treffen teil. Als Gesprächspartner für Schüler:innen erzählen sie die Geschichten ihrer Eltern weiter, bauen Brücken und machen verständlich, was es bedeutet, als Kind von Überlebenden aufzuwachsen.
Das Treffen im Parlament war somit nicht nur ein Zeichen der Wertschätzung gegenüber den Überlebenden, sondern auch ein starkes Signal für die Fortführung der Erinnerungsarbeit durch die nachfolgenden Generationen.