Gedenken an Opfer des Nationalsozialismus aus der Neutorgasse 15

Am 4. Mai 2016 wurde unter Anwesenheit der Botschafterin Israels, von Vertreterinnen und Vertretern der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) Wien, des Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus und der Stadt Wien in der Neutorgasse 15 im ersten Wiener Gemeindebezirk eine Tafel zum Gedenken an Opfer des Nationalsozialismus feierlich enthüllt. Auf Bitte von Christine Spiess, Projektleiterin der Stadt Wien für die Seestadt Aspern, hatte der Nationalfonds ein Dossier über das Schicksal der Bewohnerinnen und Bewohner der Neutorgasse 15 zwischen 1938 und 1945 erstellt. Die Recherchen schafften traurige Gewissheit darüber, dass viele von ihnen in Konzentrationslager deportiert und ermordet worden waren.

Das Haus Neutorgasse 15 in Wien 1. ist mit dem tragischen Schicksal zahlreicher Menschen verbunden – es war ihre vorletzte bzw. letzte Adresse vor dem Tod in den nationalsozialistischen Lagern. Die Geschichte des Hauses - zwischen 1938 und 1945 - ist eine Illustration von Vertreibung, Raub und Ermordung der jüdischen Bevölkerung Österreichs.

In den Wohnungen Türnummer Nr. 3/4, 5 und 6 wohnten bereits vor der nationalsozialistischen Machtübernahme im März 1938 Margit und Dr. Fritz Tintner, Ignatz und Margarethe Popper und Dr. Samuel Popper. Margit Tintner, die Eigentümerin der Liegenschaft wurde aus dem Haus vertrieben. Obwohl die Liegenschaft grundbücherlich nicht entzogen wurde, konnte sie wie viele andere Jüdinnen und Juden unter dem NS-Regime nicht mehr über ihr Eigentum verfügen. Nach 1945 verkauften die Erben von Margit Tintner die Liegenschaft sukzessive.

Zwischen 1939 – nach der Einrichtung von Sammelwohnungen in der Neutorgasse 15 – und 1943 waren insgesamt 39 Personen unter dieser Adresse gemeldet, die nach den sog. Nürnberger Rassengesetzen als jüdisch galten. Sechs Personen verstarben dort, 27 Personen wurden zwischen 28.10.1941 und 9.10.1942 von dieser Adresse in Ghettos oder Konzentrationslager (Litzmannstadt/Łódź bzw. Theresienstadt/ Terezín) oder Vernichtungslager (Maly Trostinec bei Minsk bzw. Auschwitz-Birkenau) deportiert, wovon nur eine überlebte, weitere fünf Personen wurden in andere Sammelwohnungen bzw. in das jüdische Altersheim delogiert und später in Konzentrationslager deportiert und ermordet.

Rückfragen & Kontakt:

Christian Kaufmann
Mediensprecher Wohnbaustadtrat Dr. Michael Ludwig
01/4000-81277
christian.kaufmann@wien.gv.at

Mag. a Christine Spiess
MD-BD Projektleitung Seestadt Aspern
T: +43 1 4000 82661
E:christine.spiess@wien.gv.at

Mag. a Iris Petrinja MSc
Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus
T:+43 1 408 12 63
E: presse@nationalfonds.org