Nachruf Leo Luster

Am Samstag, den 14. Januar, ist in Israel der aus Österreich stammende Holocaust-Überlebende Leo Luster im 90. Lebensjahr verstorben.

Leo Luster
Leo Luster bei der Arbeit im Büro des Zentralkomitees der Juden aus Österreich in Israel und Vereinigung der Pensionisten aus Österreich in Israel, August 2015
Foto: Bernhard Rothkappel

Leo Luster wurde 1927 als Sohn jüdischer Eltern in Wien geboren. Während der nationalsozialistischen Herrschaft wurde er mit seiner Familie zuerst nach Theresienstadt und von dort mit seinem Vater nach Auschwitz deportiert. Sein Vater wurde in Auschwitz ermordet. Leo Luster überlebte Lager und Zwangsarbeit. Nach Kriegsende fand er seine Mutter, die in Theresienstadt überlebt hatte, wieder. Gemeinsam mit ihr emigrierte er 1949 nach Israel, wo er am Aufbau des Landes mitarbeitete.

Leo Luster war immer ein Mann der Tat. Ob nach 1945 im Displaced-Persons-Camp oder später in Israel – überall war er einer, der anpackte und sich unermüdlich für jene einsetzte, die Hilfe brauchten.

Auch nach seiner Pensionierung – Leo Luster hatte viele Jahre als Chauffeur des österreichischen Botschafters gearbeitet – setzte er sich keineswegs zur Ruhe, sondern widmete sich mit voller Kraft der Unterstützung der Überlebenden aus Österreich.

Gemeinsam mit Gideon Eckhaus arbeitete er, den viele kurz und wie selbstverständlich „Luster“ nannten, Tag für Tag im „Zentralkomitee der Juden aus Österreich in Israel und Vereinigung der Pensionisten aus Österreich in Israel“. Die Klubräume sind seit vielen Jahren für die aus Österreich stammenden Überlebenden ein wichtiger Ankerpunkt und Ort der Begegnung.

Leo Luster war für die österreichischen Pensionisten in Israel stets eine wichtige Brücke zu österreichischen Institutionen; dank seiner tatkräftigen und beharrlichen Unterstützung konnten betagte und bedürftige Überlebende Pensionen und Pflegegeld aus Österreich erhalten.

Für den Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus war Leo Luster ein unverzichtbarer und verlässlicher Wegbegleiter, ohne den es kaum möglich gewesen wäre, so viele Überlebende in Israel zu erreichen und zu unterstützen. Ungezählt sind die Telefonate und Schreiben, mit denen er die Arbeit des Fonds unterstützte, benötigte Dokumente beschaffte und weiterleitete und so die oft dringend benötigte Hilfestellung beschleunigte.

Der Nationalfonds dankt Leo Luster, der Generalsekretärin Hannah M. Lessing, aber auch vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern über die Jahre zu einem lieben Freund geworden ist, für die wunderbare Zusammenarbeit.

Unser besonderes Mitgefühl gilt in diesen Tagen Leo Lusters Familie.

"Die Vergangenheit ist ein anderes Land" (Centropa-Film zu Leo Luster)

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