Nationalfonds trauert um Zeitzeugen Prof. Rudi Gelbard

„Mit Prof. Rudi Gelbard verliert die Republik Österreich einen ihrer prononciertesten Mahner gegen antisemitische und revisionistische Tendenzen in unserer Gesellschaft, der unermüdlich für seine Überzeugungen und humanistische Ideale eintrat“, so Generalsekretärin Lessing.

Als Festredner beim „Fest der Freude“ am Heldenplatz am 8. Mai 2018 erinnerte Gelbard an die vielen Auseinandersetzungen mit ehemaligen und neuen Nationalsozialisten nach 1945 und meinte abschließend: „Wir mussten diesen Kampf führen, nicht gerne, wer will nicht Harmonie? Aber ich war der Jüngste, darum bin ich der Letzte, der seit 1946 bei all diesen Auseinandersetzungen dabei war. Es musste sein, glauben Sie mir. Alles Gute!“

Diese Worte können als Auftrag an die nachfolgende Generation für die Zukunft verstanden werden. Der Nationalfonds förderte einige Projekte, die das Leben und Wirken Rudi Gelbards zum Thema hatten, darunter das filmische Porträt „‚Der Mann auf dem Balkon‘ Rudolf Gelbard, KZ Überlebender – Zeitzeuge – Homo Politicus“ von Kurt Brazda und das Buch „Die dunklen Seiten des Planeten: Rudi Gelbard, der Kämpfer. Eine Reflexion“ von Walter Kohl, die beide im Gedenkjahr 2008 erschienen sind, oder das Vermittlungsprojekt des Mauhausen-Komitees „denk mal wien“.

Rudolf Gelbard wurde 1930 in Wien als Sohn einer assimilierten, sozialdemokratischen Familie geboren. Nach dem „Anschluss“ 1938 musste er den Schulbesuch abbrechen. Im Oktober 1942 wurden er und seine Eltern in das Ghetto und Konzentrationslager Theresienstadt deportiert. Die Familie erlebte die Befreiung in Theresienstadt und kehrte nach Wien zurück. Die Eltern starben jedoch bereits frühzeitig an den Strapazen der Haft.