Neue Lebensgeschichten online

Die Online-Sammlung lebensgeschichtlicher Erinnerungen auf der Website des Nationalfonds wurde kürzlich um fünf weitere interessante Lebensgeschichten ergänzt.

Annelise Bach: Kindheit

Annelise Bach wurde 1934 in Wien geboren. 1938 emigrierten ihre Eltern mit ihr zunächst nach Ungarn. 1941 zwang sie die politische Situation Ungarn zu verlassen und sie suchten in Bulgarien Zuflucht, wo sie bis zum Kriegsende blieben. Nach der Internierung in Bulgarien kehrte die Familie 1946 nach Wien zurück. Annelise Bach ist vielleicht dem einen oder anderen als Ö1-Sprecherin und Schauspielerin noch bekannt.

Hans Gamliel: Wien 2. Bezirk, Tempelgasse Nr. 3 (Erinnerungen von 1943 bis 1953)

Die Mutter von Hans Gamliel war aufgrund ihrer jüdischen Abstammung als junge Frau 1938 vor den Nationalsozialisten von Wien nach Serbien geflüchtet und hat dort versteckt den Holocaust überlebt. Während dieser Zeit hat sie zwei Kinder, Hans und Erika, geboren. 1945 kehrte sie mit ihren beiden Kindern nach Wien zurück, wo die Familie lange Zeit in einem kleinen Zimmer im jüdischen Obdachlosenheim leben musste, bevor sie 1953 in eine eigene Wohnung übersiedeln konnte. Eine minutiöse und bilderreiche Beschreibung der Nachkriegszeit in Wien!

Emma Brigitte Höfert: Karl Rupitsch – Mein Vater, der Kriegsdienstverweigerer

Emma Brigitte Höfert wurde im April 1941 als uneheliches Kind von Karl Rupitsch und Maria Hölzl geboren. Ihr Vater verweigerte den Kriegsdienst und versteckte sich mit weiteren Deserteuren auf Almen und Bauernhöfen in Salzburg. Bei einer Razzia der SS wurden er, seine Kameraden und viele ihrer HelferInnen verhaftet und deportiert. Karl Rupitsch wurde in Mauthausen hingerichtet. Seine Tochter Emma Brigitte Höfert, die bei Pflegeeltern aufwuchs, vermisste ihren Vater zeitlebens. Sie engagierte sich für die Rehabilitation der Wehrdienstverweigerer sowie für die Errichtung eines Gedenksteins für die damals Ermordeten und Deportierten. Heute hält sie Vorträge und ist als Zeitzeugin unterwegs, um auf das Schicksal der Deserteure aufmerksam zu machen.

Franz Rehsmann: Die Vertreibung der Kärntner Slowenen in der NS-Zeit 1938–1945

Franz Rehsmann wurde am 5. Februar 1928 in Kärnten in eine slowenische Familie geboren. Im April 1942 wurde er mit seinen Eltern und Geschwistern in die Lager Hesselberg, Hagenbüchach und Eichstätt im Deutschen Reich deportiert. Als seine Eltern im Jänner 1944 aus dem Lager entlassen wurden und als Landarbeiter zu einer niederösterreichischen Gutsverwaltung kamen, musste Franz Rehsmann zu den Luftwaffenhelfern und kam später zum Arbeitsdienst an die ungarische Grenze. Die Familie kehrte im Juli 1945 nach Kärnten auf ihren Bauernhof zurück, der in der Zwischenzeit von einer Familie aus dem italienischen Kanaltal übernommen worden war. 1948 gelangte der Hof wieder in den Besitz der Familie Rehsmann.

Franc Kukovica: Als uns die Sprache verboten wurde. Eine Kindheit in Kärnten (1938–1945)

Franc Kukovica ist Kärntner Slowene und wurde am 2. November 1933 in Blasnitzen/Plaznica in der Gemeinde Eisenkappel-Vellach/Železna Kapla-Bela in Kärnten geboren. Als Kind erlebte er das Verbot seiner slowenischen Muttersprache, die Veränderungen in der Schule nach 1938, das Verschwinden von MitschülerInnen und NachbarInnen, den Widerstand gegen den Nationalsozialismus sowie die Aktivitäten der PartisanInnen in seiner Heimat hautnah mit. Franc' Vater schloss sich den PartisanInnen an und auch Franc selber wurde schließlich als Kurier eingesetzt.