Franziska Jagerhofer

Ich kannte nur arbeiten

Franziska Jagerhofer wurde am 11. Oktober 1938 in Graz geboren. Da ihre Familie in einem Wohnwagen lebte und der Vater aufgrund einer Behinderung keiner geregelten Arbeit nachgehen konnte, wurde die Familie von den Nationalsozialisten als so genannte Asoziale verfolgt. Der Vater von Franziska Jagerhofer kam 1941 ins KZ Flossenbürg, wo er 1942 ums Leben kam. Die Mutter von Franziska Jagerhofer wurde 1942 nach Auschwitz deportiert; sie überlebte. Franziska Jagerhofer und ihre drei Schwestern wurden auf verschiedene Pflegeplätze aufgeteilt.

Farbfoto: Ältere Dame mit einem leeren Bilderrahmen in Händen.
Franziska Jagerhofer besitzt kein einziges Foto aus ihrer Kindheit, ebenso wenig wie eine Erinnerung an ihre Mutter aus dieser Zeit.
Foto: Walter Reichl

Mit zwei Jahren wurde ich zu Bauern gegeben. Ich musste schon vor der Schulzeit fleißig im Stall und am Feld arbeiten. Ferien und Urlaub kannte ich nicht. Da fürs Lernen in der Schule keine Zeit blieb, schloss ich auch mit der 4. Volksschulklasse die Schule ab. Folgedessen war es mir nicht möglich, einen Beruf zu erlernen, und ich musste mein ganzes Leben als Hilfsarbeiterin arbeiten. Mir wurde immer verheimlicht, wo meine Eltern waren. Ich war oft sehr traurig und weinte viel, weil meine Pflegeeltern mich als fremdes Kind behandelten. Erst mit 25 Jahren konnte ich meine Mutter ausfindig machen. Sie erzählte mir von ihren grausamen Erlebnissen im KZ und vom Tod meines Vaters im KZ. Ich kannte nur arbeiten von früh bis abends, aber ein geborgenes Elternhaus fehlte mir. Wie mich das alles belastete und heute noch belastet, können Sie sich vorstellen.