Fritz Maria Rebhann

… infolge Wehrkraftzersetzung flüchtig

Fritz Maria Rebhann wurde am 12. Mai 1925 in Wien geboren. Er war Mitglied einer Widerstandsgruppe innerhalb der Wehrmacht und wurde wegen seiner politischen Ansichten und aufgrund des Verdachts der unerlaubten Entfernung von der Truppe als Deserteur festgenommen.

Farbfoto: Bilderrahmen in Händen.
Michaela Hecke-Rebhann mit einem Foto ihres Vaters Fritz Maria Rebhann.
Foto: Walter Reichl

Als Angehöriger der Deutschen Wehrmacht wurde ich im Jänner 1945 wegen drohender Verhaftung infolge Wehrkraftzersetzung flüchtig. Anfang Feber wurde ich bei Würzburg festgenommen und in die dortige Wehrmachtshaftanstalt eingeliefert. Von dort bin ich nach Nürnberg zur Aburteilung überstellt worden, konnte aber während eines Luftangriffes aus dem Gewahrsam entweichen und mich nach Wien durchschlagen, wo ich, mit falschen Papieren ausgestattet, als Widerstandskämpfer den Einmarsch der Roten Armee abwartete.

Herr Rebhann studierte nach dem Krieg Geschichte und Zeitungswissenschaften und war unter anderem als Journalist und in verschiedenen kulturpolitischen Bereichen tätig. So wurde etwa die Entwicklung des Naturschutzes in Österreich zur Bewahrung der historischen Landschaftsformen sein Anliegen. Er arbeitete außerdem als Publizist und veröffentlichte zahlreiche Bücher zu zeitgeschichtlichen, politischen und kulturellen Themen, darunter unter anderem die Trilogie "Das Einsame Gewissen", erschienen im Herold Verlag, "Bis in den Tod: Rotweißrot – Österreichs Untergang im März 1938", erschienen im Bundesverlag und "Die Braunen Jahre – Wien 1938–1945", erschienen bei der Edition Atelier im Wiener.Journal Zeitschriftenverlag. Im Jahr 2000 ist Dr. Fritz Maria Rebhann verstorben.

Auf dem Klapptext eines seiner Bücher steht geschrieben:

"Trauerarbeit ist notwendig, Vergangenheitsbewältigung ist notwendig, Beschäftigung mit dieser Vergangenheit ist notwendige Voraussetzung."

Antifaschismus und Toleranz, der ehrliche Umgang mit Geschichte, die Zeitumstände begreiflich machen; das waren – wie uns seine Tochter in einem Brief mitteilte – dem Autor unverzichtbare Leitgedanken. So liegt ein schriftstellerisches Lebenswerk vor, in dem sich Dr. Rebhann um Aufarbeitung der Zeitgeschichte bereits in den Sechzigerjahren des 20. Jahrhunderts bemüht hat.

Die Erstveröffentlichung dieses Artikels erfolgte in: Renate S. Meissner im Auftrag des Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus (Hg.): Erinnerungen. Lebensgeschichten von Opfern des Nationalsozialismus. Wien, 2010, Seite 178-179.