Maria M.

Niemand kann eine Mutter ersetzen

Maria M.s Mutter Stefanie wurde 1940 als 26-jährige junge Frau im Krankenhaus Wels ermordet. Da sie an Epilepsie litt, galt sie zur Zeit des Nationalsozialismus als "geistig behindert", "erbunwürdig" und "minderwertig". Ärzte waren verpflichtet, Menschen mit Epilepsie sofort offiziellen NS-Stellen zu melden. Diese "unheilbar Kranken" sollten zunächst zwangssterilisiert und später in den nationalsozialistischen Euthanasieaktionen getötet werden. Im Zuge der so genannten wilden Euthanasie wurde auch in Krankenhäusern getötet. Die vorgetäuschte Todesursache von Maria M.s Mutter lautete "Beinhautentzündung".

Schwarz-weiß-Foto: Vier Kleinkinder auf der Straße.
Waisenkinder auf der Straße, 1945.
Foto: ÖNB

Ich habe leider keine Papiere von meiner Mutter. Sie hieß Stefanie S., war sehr krank und hatte Epilepsie. Da Hitler solche Menschen nicht gebrauchen konnte, wurde sie uns genommen und vergast. Vier Kinder standen jetzt alleine da. Vater war im Krieg. Ich bin die Älteste, war sieben Jahre alt, kam zuerst nach Bad Ischl in ein Kinderheim, und später mein Bruder und ich nach Gmunden ins Kinderheim, in der Bahnhofstraße. Meine Schwester kam in ein anderes Heim, mein jüngster Bruder irgendwo privat. Wäre Vater einverstanden gewesen, wären auch wir Kinder vergast worden. Niemand kann eine Mutter ersetzen. Da ich nicht wusste, wo meine Mutter hingekommen ist, sah ich jedes Mal zur Tür, wenn sie aufging, und dachte, jetzt kommt unsere Mutter und holt uns ab. Leider vergebens.